Freitag, 22. Februar 2013

Blogg dein Buch - "Homicide - Ein Jahr auf mörderischen Straßen"




David Simon
Homicide
Kriminalroman
823 Seiten 

Preis: 11,99 € [D]
            12,40 € [A]
Erschienen:
10. Dezember 2012

Erschienen als Taschenbuch
ISBN:
978-3-453-67635-0
 
Verlag: Heyne
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Homicide ist eine Mischung von Tatsachenbericht, Tagebuch des Verbrechens und einem Krimi. Realistisch und drastisch wird hier der Alltag von Polisten in Baltimore gezeigt.

Im ersten Augenblick mag man erschrecken über die vielen Seiten – immerhin über 800! Aber die flüssige und leichte Schreibweise, erlaubt ein einfaches Lesen. Schnell erfasst man die Gedankengänge des Schriftstellers David Simon.
In diesem Roman spielt das Leben die Hauptrolle. Der tägliche Wahnsinn auf den Straßen der Amerikanischen Großstadt Baltimore und der Umgang damit. Hier sind Polizisten die Protagonisten dieses Buches. Der Schriftsteller David Simon begleitet hier Polizisten auf ihren täglichen Begegnungen mit Tod, Leid und Verbrechen. Er begleitet die Detectives von der Mordkommission Baltimore ein Jahr lang, hat Einblick in die laufenden Ermittlungen und sieht was viele Schriftsteller nur in ihrer Phantasie erleben. Was dieses Buch so faszinierend macht, ist die Tatsache, daß es sich hier um reale Menschen handelt, die wirkliche Kriminalfälle bearbeiten.
Man erlebt, wie die Polizisten sich selbst mit einer Art schwarzem Humor schützen, um das tägliche Leid nicht zu sehr an sich heran zu lassen. Jedoch gelingt das nicht immer. Ein ganz konkreter Fall geht nicht nur den alten Hasen beider Mordkommission sehr nah. Es handelt sich um den Tod eines 11 jährigen Mädchens, welches vorher noch auf brutalste Weise vergewaltigt wurde.
Was einem in diesem Buch immer wieder begegnet ist das wahre Ich der ermittelnden Polizisten. Weit entfernt von den so harten Cops, die man aus dem Fernsehen kennt. Hier sind es Menschen, die fühlen und leiden und bis ins tiefste verletzt werden können.
Hier lernt man die Ermittler auch von ihrer privaten und entspannten Seite kennen so z.B. bei einem Bar besuch – oder private Momente während der Nachtschicht. Durch die Bilder im Innern des Buches bekommen die Namen der hier erwähnten Polizisten ein Gesicht und man denk mit der Zeit, daß man sie kennt.
In diesem Buch erfährt man allerdings auch etwas über den Konflikt zwischen der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Man bekommt Einblicke sowohl in die polizeiliche Arbeit wie auch in die Arbeit der Gerichtsmedizin. Auch die Intrigen innerhalb der Behörde oder den Problemen zwischen dem Verwaltungsapparat und den Vorgesetzten zeigen dem Leser, die Schwierigkeiten, mit denen die Polizisten tagtäglich konfrontiert und fertig werden müssen. So erfährt man z.B., daß das amerikanische Rechtswesen vorsieht, daß bei Geschworenen eine absolute Einheit in der Meinung herrschen muss, um eine Verurteilung erwirken zu können. Ist auch nur ein Zweifel begründet, so verliert sich der Prozess und der Angeklagte kommt frei - mit der fatalen Folge, dass es in weniger als 50 % der aufgeklärten Mordtaten tatsächlich zu einer Verurteilung kommt.
Alles was man von Verbrechen hört, bekommt hier ein konkretes Gesicht. Die Zahlen der Verbrechensopfer sowie Informationen über den Sumpf der Drogen werden hier erschreckend realistisch. Auf drastische Weise wird dem Leser hier klar wie schwierig es ist, ein Verbrechen aufzuklären. Viel Arbeit, Zeit und Mühe kostet die Mördersuche, die am Ende jedoch oft nicht zum erwünschten Ziel führt!

Die Hauptpersonen – die Polizisten:
Leiter der Mordkommission Lieutenant Gary D Addario
Ermittler Donald Worden - am Ende seiner Karriere
Der farbige Detective Harry Edgerton
Detective Tom Pellegrini – der neue

Berührend und auch nachdenklich stimmend ist das Nachwort des Polizisten Terry McLarney aus  dem Jahr 2006, der in kurzen Worten zusammenfasst was die Polizeiarbeit ausmacht. Unter „Akte geschlossen“ fasst er zusammen, was sich in 15 Jahren seit Erscheinen des Buches geändert oder nicht geändert hat. Die Polizeiarbeit ist nach wie vor geprägt von „Tatorten, Befragungen und Verhören vor dem Hintergrund menschlicher Schwächen“.

Auch der Schriftsteller selbst fasst unter „Post Mortem“ ein Resümee zusammen aus 15 Jahren. Er beschreibt u.a wie es dazu gekommen ist, daß er dieses Buch schrieb, er berichtet welche Polizisten verstorben sind oder in den Ruhestand versetzt wurden. So ist das Leben eben, die einen gehen und die anderen kommen!

Zur Person – David Simon:
Er wurde 1960 in Washington geboren. Er ist nicht nur ein erfolgreicher Journalist, sondern auch Drehbuchautor und Produzent. Er arbeitete u.a. auch 1982 bis 1995 als Polizeireporter. Ist Autor von "The Wire" und „Homicide“, die beide sehr Erfolgreich als TV Serien liefen. Aktuell lebt und arbeitet er in Baltimore. Sein aktuelles Projekt ist die HBO Serie „Treme"
Ich bedanke mich beim HeyneVerlag  und Blogg dein Buch für das Bereitstellen des Rezensionexemplars. 

Fazit:
Das Buch „Homicide“ ist – obwohl Seitenstark – ein Reißer. Von der ersten Seite – hier gibt es bereits einen Todesfall – bis zur letzten ist dieses Buch spannend und mitreisend. Bedenkt man, daß dieses Buch im Jahr 1988 spielt, so ist es heute aktueller den je. Was mich persönlich an diesem Buch gefesselt hat, ist das Fehlen von wilden Schießereien und Verfolgungsjagden – wie man sie vom Fernsehen her kennt – stattdessen werden hier Menschen, mit Gefühlen und Empfindungen wie Du und ich gezeigt, die hinter der jeweiligen Polizeimarke stehen! Es ist auf alle Fälle wert es zu lesen!

meine Beurteilung:
"besonders Empfehlenswert"

Kommentare:

  1. Antworten
    1. ja es war von der ersten bis zur letzten Seite wirklich spannend. Obwohl er eigentlich nicht wie ein gewöhnlicher Krimi ist! Ich habe das Buch innerhalb von wenigen Tagen gelesen, so gefesselt hat es mich!
      LG

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